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Frenetischer Jubel bei Türkis und Grün Schonungslose Selbstkritik in der FPÖ
So kommentieren die Wahlkreis-Spitzenkandidaten des Mühlviertels das Wahlergebnis:

Mühlviertel. Überschäumende Freude und kritische Selbstreflexion: So unterschiedlich wie die Wahlergebnisse fielen gestern auch die Reaktionen der Mühlviertler Spitzenkandidaten zur Nationalratswahl aus.
Johanna Jachs, Volkspartei: „Mit Platz eins für die Volkspartei habe ich schon gerechnet. Dass es ein solcher Triumph wird, hat mich überrascht. Das ist ein großer Sieg für Sebastian Kurz“, sagt die Freistädterin Johanna Jachs über die Zugewinne und den Rekordabstand der ÖVP zu den zweitplatzierten Sozialdemokraten. Die Wähler hätten Rot und Blau die Rechnung zu deren Abwahl von Kurz im Parlament präsentiert. Wie eine künftige Regierung aussehen wird, dazu hat Jachs, die mit dem steirischen FP-Abgeordneten Hannes Amesbauer liiert ist und Anfang August eine Tochter zur Welt brachte, keine Präferenzen: „Es ist gut, wenn Sebastian Kurz nun mit allen Parteien Gespräche aufnimmt. Mit wem man sich inhaltlich einigt, wird man sehen.“ Sicher ist dabei nur eines: „Meine private Koalition wird davon unberührt bleiben. Da kann ich Beruf und Familie gut trennen.“
Sabine Schatz, SPÖ: Enttäuscht über das Wahlergebnis zeigt sich Sabine Schatz, Wahlkreis-Spitzenkandidatin der SPÖ: „Das ist ein bitteres Ergebnis. Das kann man nicht schönreden.“ Ihrer Partei sei es nicht gelungen, mit sozialen Themen bei den Wählern anzukommen. „Klimaschutz und die FPÖ-Skandale haben alles überlagert. Leider konnten wir davon nicht profitieren“, sagt die Politikerin aus Ried in der Riedmark. Das schlechte Ergebnis sei auch kein Auftrag, jetzt in Regierungsverhandlungen einzutreten. „Ich bin bei Pamela Rendi-Wagner, dass wir in Opposition bleiben sollten. Wir brauchen eine Politik mit klaren Kanten. Deshalb bin ich auch dafür, dass Rendi-Wagner an der Spitze der Partei bleibt.“
Rosa Ecker, FPÖ: Das schlechte Ergebnis habe sich abgezeichnet, sagt Rosa Ecker, Bundesrätin aus Saxen. Und sie benennt auch klar den Grund für das blaue Wahldesaster: „Leider wurde uns da ein Rucksack umgehängt, den wir nicht gepackt haben. Da wurden anderswo Fehler begangen, die die treuen Funktionäre vor Ort ausbaden mussten.“ Dabei hätten die Wähler nicht das Vertrauen in die Inhalte der Freiheitlichen verloren, sondern in die moralische Integrität ehemaliger Parteispitzen. „Klar ist für mich: 16 Prozent sind kein Regierungsauftrag. Wir müssen zuerst unsere eigenen Reihen wieder sauber kriegen.“
Ulrike Böker, Grüne: „Ich bin natürlich überwältigt von dem Ergebnis. Ein zweistelliges Abschneiden hätte ich mir schon erwartet. Umso erfreulicher dann dieser Ausgang der Wahl. Den Mühlviertlern sei es offenbar wichtig, dass wir unseren Planeten retten.“ In Ottensheim verzeichneten die Grünen zudem mit 28,6 Prozent das beste Ergebnis in ganz Oberösterreich. Für die ehemalige Ottensheimer Bürgermeisterin Böker das Ergebnis einer jahrzehntelangen Arbeit. „Nach diesem fürchterlichen Hinausfallen aus dem Nationalrat vor zwei Jahren so ein Ergebnis zusammenzubringen freut uns sehr.“ Vor allem die jungen Wähler hätten zu dem Erfolg beigetragen. Nicht außer Acht lassen dürfe man aber auch Greta Thunberg und die „Fridays for Future“-Bewegung.
Martin Leibetseder, Neos: Zufrieden mit dem Zugewinn der Neos zeigt sich der St. Martiner Spitzenkandidat: „Ich persönlich hätte alles unter sieben Prozent als Niederlage empfunden. Da haben wir uns die Latte eh hoch gelegt. Da sind wir aber leicht darüber gesprungen.“ Die Erwartungshaltungen von außen seien womöglich höher gewesen, aber die Partei selbst habe die Chancen stets sehr realistisch eingeschätzt. „Jetzt sind wir einer der drei Wahlgewinner. Natürlich stärkt das Ergebnis auch die Hoffnung im Hinblick auf die Landtagswahl 2021.“